Kinderwunsch

Nur blind!
Aus meinem blinden Leben…

Die aktuelle Diskussion über Leihmutterschaft hat mich dazu gebracht, noch einmal über ein Thema nachzudenken, das mich persönlich sehr bewegt.
Ich bin aufgrund eines Gendefekts erblindet. Bevor ich über eigene Kinder nachgedacht habe, habe ich mich deshalb intensiv mit der Frage beschäftigt, ob ich überhaupt Kinder bekommen sollte. Bei einer genetischen Beratung vor 40 Jahren an der Uniklinik Essen wurde mir gesagt, dass ich meine Augenerkrankung eigentlich gar nicht hätte bekommen dürfen – medizinisch sei mein Fall äußerst ungewöhnlich.
Ich fragte damals auch, ob man die Erkrankung während einer Schwangerschaft feststellen könnte. Die Antwort war: Nein. Und selbst wenn es möglich wäre, wäre sie nach geltendem Recht kein Grund für einen Schwangerschaftsabbruch.
Das hat bei mir eine Frage ausgelöst, die mich bis heute beschäftigt: Wer entscheidet eigentlich, ob ein Leben mit Blindheit lebenswert ist oder nicht?
Immer wieder begegnen mir Menschen, die sagen: „Ich wäre lieber tot als blind.“ Für sie mag das eine spontane Aussage sein. Für blinde Menschen ist es eine Aussage über den Wert ihres Lebens.
Noch widersprüchlicher wurde es, als ich beim zuständigen Amt nachfragte, ob ich ein Kind adoptieren könnte. Dort wurde mir erklärt, dass dies wegen meiner Behinderung nicht möglich sei. Auch das liegt ungefähr 30 Jahre zurück. Ich kann heute nicht beurteilen, ob sich ein Rechtsstreit gelohnt hätte oder ob sich die Situation inzwischen geändert hat.
Das bedeutet im Ergebnis: Ich durfte, zumindest rechtlich, eigene Kinder bekommen, obwohl diese möglicherweise ebenfalls betroffen gewesen wären. Ein gesundes Kind zu adoptieren, war mir dagegen aufgrund meiner Behinderung verwehrt.
🤔 Ich finde, das wirft Fragen auf. Nicht nur über Gesetze und Verfahren, sondern auch darüber, wie unsere Gesellschaft Menschen mit Behinderungen sieht.